Die Qualität eines Ersatzteils definiert sich nicht allein über Werkstoffe, Fertigungstoleranzen oder Prüfverfahren. Im Automotive Aftermarket entscheidet sich ihr tatsächlicher Nutzen erst im Reparaturprozess. Zeitdruck, Fahrzeugvielfalt, Teileverfügbarkeit und der Anspruch, Nacharbeiten zu vermeiden, prägen den Werkstattalltag ebenso wie die technischen Eigenschaften eines Produkts.
Für Hersteller rückt damit eine Fragestellung in den Fokus, die lange nur begrenzt betrachtet wurde: Wie lassen sich die Anforderungen freier Werkstätten systematisch erfassen und für Produktentwicklung, Service und Marktbearbeitung nutzen?
Mit dieser Aufgabenstellung beschäftigte sich iwis mobility systems in einem dreitägigen Workshop am Standort München. Gemeinsam mit den Kompetenzpartnern Select Your Product und BEPOINT wurde untersucht, wie Werkstattwissen strukturiert erhoben, bewertet und in die Unternehmensprozesse integriert werden kann.
Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass zwischen Hersteller und Werkstatt mehrere Marktstufen liegen. Großhandel und Distribution sichern die Teileversorgung, gleichzeitig gelangen Erfahrungen aus dem Reparaturalltag häufig nur punktuell zum Hersteller. Reklamationen oder technische Anfragen liefern zwar Hinweise auf Fehlerbilder, erlauben jedoch kaum Rückschlüsse auf die eigentlichen Entscheidungsprozesse in den Werkstätten.
Im Workshop analysierten Mitarbeitende aus Produktmanagement, Entwicklung, Technik, Vertrieb, Marketing, Operations und Management den gesamten Ablauf einer Steuertriebreparatur – von der Diagnose über die Identifikation des passenden Reparatursatzes bis zu Einbau und Kundenberatung. Dabei wurde deutlich, dass Werkstätten weit mehr benötigen als ein qualitativ hochwertiges Produkt. Entscheidend sind eine sichere Teileidentifikation, belastbare technische Informationen, hohe Lieferfähigkeit sowie nachvollziehbare Argumente, um den Mehrwert eines Premiumprodukts gegenüber günstigeren Alternativen zu vermitteln.
Aus dieser Betrachtung entstand ein strukturierter Fragenkatalog für den kontinuierlichen Dialog mit Werkstätten: Welche Schadensbilder treten bei bestimmten Motoren gehäuft auf? Wo entstehen Unsicherheiten bei der Kit-Auswahl? Welche technischen Informationen fehlen vor dem Einbau? Welche Unterstützung wird bei Diagnose und Kundenberatung benötigt?
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig bereichsübergreifend genutzt werden. Produktmanagement, Entwicklung, Qualitätsmanagement,
technischer Service, Vertrieb und Marketing erhalten damit eine gemeinsame Informationsbasis, um Produkte, technische Dokumentationen und Serviceangebote konsequent an den Anforderungen des Marktes auszurichten.

Methodische Basis durch gebündelte Expertise
Die methodische Projektgrundlage entstand durch die enge Zusammenarbeit von Select Your Product und BEPOINT. Beide Unternehmen bündelten ihre jeweiligen Kompetenzen in den Bereichen Marktanalyse, Entscheidungsprozesse im B2B-Geschäft, Automotive-Kommunikation und strategische Marktbearbeitung zu einem gemeinsamen Vorgehensmodell. Ziel war es, vorhandenes Wissen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen mit den Anforderungen des Werkstattalltags zu verknüpfen und daraus eine belastbare Systematik für die kontinuierliche Erfassung und Nutzung von Werkstattwissen zu entwickeln.
Werkstattwissen systematisch nutzen
Der Mehrwert des Projekts liegt deshalb nicht allein in den Ergebnissen des Workshops, sondern in der geschaffenen Struktur. Rückmeldungen aus Werkstätten sollen künftig systematisch ausgewertet und gleichzeitig durch praxisorientierte Unterstützungsangebote – etwa technische Checklisten, Diagnosehilfen, Einbauhinweise oder Informationen zur Teileauswahl – ergänzt werden.
Das Projekt verdeutlicht einen Wandel im Automotive Aftermarket. Technische Qualität bleibt die Voraussetzung für nachhaltigen Produkterfolg. Zunehmend entscheidend wird jedoch die Fähigkeit, Werkstattwissen systematisch zu erfassen und daraus konkrete Maßnahmen für Produktmanagement, Service und Kommunikation abzuleiten. Für iwis erweitert sich der Qualitätsanspruch um die konsequente Verbindung von OE-Qualität mit einem systematischen Verständnis der Anforderungen und Entscheidungsprozesse im Werkstattalltag


